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„Er,  der hohe und erhabene Gott, der Heilige, dessen Thron ewig steht, sagt: Ich wohne in der Höhe in unnahbarer Heiligkeit. Aber ich wohne auch bei den Gedemütigten und Verzagten, ich gebe ihnen Hoffnung und neuen Mut.“ Jesaja 57,15

Unter dieser Tageslosung stand die Predigt zum Festgottesdienst „725 Jahre Papenbruch“ am 09.09.2017. Dieses Prophetenwort weist darauf hin, dass Gott heilig ist. Heilig bedeutet, Gott ist der „Welt entzogen“, sie hat keine Macht über ihn. Der Prophet will uns daran erinnern, regelmäßig an den heiligen Gott zu denken. „ Das Lob Gottes nährt sich vom Sich-Erinnern an Gottes Handeln an uns.“ „Durch unser Erinnern haben wir teil an diesem Heiligen und werden frei vom Terror dieser Welt.“ Die Treue Gottes ist die Antwort auf unsere Treue. Und im Licht Gottes erhellen sich unsere Dunkelheiten und wir müssen nicht mehr im Dunkel umherirren.

Das gibt uns neue Hoffnung und neuen Mut.

Die Ortsgeschichte zeigt: Anstatt zu verzagen haben die Papenbrucher auch nach großen und größten Heimsuchungen immer wieder beherzt einen Neuanfang gewagt.

Der Glaube ist der Vogel,
der in der Nacht schon singt.
Weil er um den Morgen weiß!
  

Rabindranath Tagore

Der Anfang der Ortsgeschichte:

Mit einer Urkunde, die um 1292 verfasst wurde, besitzen wir derzeit die Ersterwähnung des Dorfes Papenbruch. In dieser überschreibt Yo von Königsmark Hebungen aus der Papenbrucher Mühle seiner Tochter und einer anderen Konventualin im Kloster Heiligengrabe. Die Hebungen fallen nach deren Tod an das Kloster.

Siedler aus Westfalen waren mit Bischof Anselm und seinen Rittern in den slawisch besiedelten Landstrich um 1180 gekommen. Sie hatten dem neuen Siedlungsplatz in der Nähe eines „Wenddörpen“ das wiederum an ein Bruchland grenzt, den Namen „Papenbruch“ gegeben. „Pape“ war die westfälische Bezeichnung für einen Kleriker, also den damaligen Priester. „Bruch“ ist die Bezeichnung für einen permanent nassen, örtlich überstauten, langfristig gefluteten, sumpfigen Wald. In Papenbruch ist das seit Menschengedenken ein Erlenbruch wie es sich zweifellos bis heute im Quellgrund hinter dem Pfarrhof erhalten hat. Dem Bach folgend, der auf dem Pfarrhof seinen Ursprung hat, zieht sich der Erlenbruch bis an den Standort der früheren in der Urkunde von 1292 erwähnten Mühle, einer Wassermühle.

So hat das dem Priester zugewiesene Bruchland unserem Dorf seinen Namen gegeben.

Und da wir davon ausgehen können, dass der Sitz des Priesters und später des Pfarrers seit den ersten Tagen immer derselbe war, ist demzufolge das Gelände des Pfarrhauses und seines Gartens der Ursprung, die Wiege unseres Ortes.

Grundherr bis zur Reformation war der Bischof von Havelberg, dem die Bauern Dienst- und abgabeverpflichtet waren und bei dem die Gerichtsbarkeit lag. Kirchengemeinde und kommunale Gemeinde waren für die nächsten fünfhundertfünfzig Jahre identisch.

Nach der Reformation übernahmen der brandenburgische Kurfürst und später der preußische König das bischöfliche Land und die bischöflichen Rechte.

Im Laufe der folgenden Jahrhunderte….

wurde das Dorf mehrfach von Raubrittern heimgesucht, geplündert und abgebrannt. Ebenso gab es mehrfach Seuchen, darunter im Spätmittelalter zwei Pestwellen. Das Klima wandelte sich.  Die „Kleine Eiszeit“ sorgte für Missernten, Nahrungsmangel, Bevölkerungsrückgang. Nachbardörfer auf kargen Sandböden oder zu nassen Landstrichen fielen wüst.

Der Bischof verlor immer mehr Rechte an den Kurfürsten. Das Haus Hohenzollern stellte den Kurfürsten und einen Kardinal zu Beginn des 16. Jahrhundert. Der Kardinal war bei Fugger für den Bau des Petersdomes in Rom hochverschuldet. Ablasshandel sollte die leeren Kassen des Hauses wieder füllen. Der öffentliche Widerstand dagegen löste die Reformation aus. Mit dem Tod des letzten Havelberger Bischofs 1548 wurde der damalige Papenbrucher Priester Jacob Meinicke erster evangelischer Pfarrer.

Die Not der Pfarrerschaft war in den ersten Jahrzehnten nach der Reformation groß. Das wurde aber weit übertroffen durch den Dreißigjährigen Krieg, einen Religionskrieg der nordeuropäischen Herrscherhäuser. Die größte Schlacht fand 1636 zwischen Wittstock und Papenbruch im Langen Grund bzw. Scharfenberg statt. Wieder folgten zwei Pestwellen. Die Dörfer, vom Krieg gezeichnet, waren fast menschenleer. 27 Personen lebten 1652 nur noch in Papenbruch. Bis 1680 dauerte der Wiederaufbau des Dorfes an.

Erneut wurden darum Siedler ins Land geholt, diesmal Württemberger und Pfälzer. Dafür wurde das Bruchland, auch jenes nördlich von Papenbruch, auf Anweisung des Königs um 1750 melioriert. Dürren und Viehseuchen quälten seit 1689 regelmäßig die Menschen, das Hornvieh verendete in großer Zahl. 1719 herrscht eine extreme Dürre. Wegen des Wassermangels ließ man das Vieh auch Tag und Nacht auf den Koppeln. Zum Schutz vor Wolfsübergriffen mussten nachts Feuerwachen bei den Tieren gehalten werden. Im darauffolgenden Winter verfütterten die Menschen ihre Strohdächer an das hungernde Vieh.

Auf den benachbarten Dorfwüstungen Eggersdorf und Woltersdorf entstand ein Kolonistendorf, Liebenthal.

1806 besetzten französische Truppen auch Papenbruch. Aus Angst vor Übergriffen lebten im November die Dorfbewohner wochenlang im benachbarten Wald Natteheide.

Ab 1812 folgte ein trostloser Sommer auf den nächsten. Das Jahr 1816 stand für den Negativrekord innerhalb der kältesten Jahrzehnte der „Kleinen Eiszeit“. Ein gewaltiger Vulkanausbruch bei Java sorgte für Klimaextremschwankungen sowie ein „Jahr ohne Sommer“.  Nicht enden wollender Regen brachte Missernten und Hagelschlag im Juli in Süddeutschland, wo es daraufhin zu einem Massenexodus kam.

In diesem Jahr wurde Papenbruchs bedeutendster Sohn im hiesigen Pfarrhaus geboren - der spätere Wittstocker Orgelbaumeister Friedrich Herrmann Lütkemüller.

Dreizehn Jahre später, 1829 legte ein Dorfbrand mehr als das halbe Dorf, darunter auch die Kirche, in Schutt und Asche. Erst 1834 wurde die neue Kirche eingeweiht. 1870 wird der Kohlebergbau nordöstlich des Dorfes erwähnt.

 

Vollerblüht

1900 gibt es 94 Häuser und 543 Einwohner im Dorf. 90 Kinder lebten im Dorf, weswegen die Schule 1919 erweitert werden musste. In dem Jahr wurden die Kriegsheimkehrer aus dem 1. Weltkrieg im Gasthof Lüdicke gefeiert. 1923 kam das elektrische Licht in den Ort.

1935-1955 starben sechs Papenbrucher Pfarrer, drei an der Front, zwei mangels Antibiotika nach dem Krieg und einer am Herzschlag. Er soll im KZ inhaftiert gewesen sein. Mit den Pastoren starben 30 Papenbrucher Männer den Kriegstod. Flüchtlinge aus den Ostgebieten mussten untergebracht werden. Nach Kriegsende flohen insbesondere Frauen vor den einrückenden russischen Soldaten in den Wald.

Im neugegründeten Arbeiter-und Bauernstaat wurde die Landwirtschaft zwangskollektiviert. Wer das nicht ertragen konnte, musste gehen. Dieser Fluchtbewegungen setzte der Mauerbau in Berlin ein Ende.

Die strikte Trennung von Kommunal- und Kirchengemeinde wurde bis ins letzte Detail durchgesetzt. Die Menschen spürten eine unkirchliche, ja oft kirchenfeindliche Atmosphäre im Alltag, in der Schule und auf Arbeit. Immer mehr distanzierten sich daraufhin aus Sorge um ihre Zukunft von der Kirche. Nach dem Mauerfall 1989 verließen 1994 die letzten russischen Truppeneinheiten die ehemalige DDR.

Der Einschnitt

Nach der Grenzöffnung war es besonders die Jugend, welche mehrheitlich Papenbruch verließ.

In Papenbruch, das jetzt in einem modernisierten Dorfbild  erstrahlt, leben derzeit 280 Menschen, fünf Personen davon arbeiten in oder für die Landwirtschaft, einer davon als selbständiger Landwirt mit bayrischem Akzent. Der naturnahe Wohnort besitzt auf Grund seiner Lage eine neuentdeckte Attraktivität. Ein Viertel der Einwohner sind Christen. Noch immer ist das Pfarrhaus mit Leben erfüllt.

Erneut ist ein Klimawandel angesagt. Vor Dürre, Hunger und Krieg sind Millionen Menschen der Südhalbkugel auf der Flucht nach Europa. Im Gegensatz dazu erleben die Papenbrucher den Klimawandel noch gemäßigt. Hier wechseln sich nur Starkregenphasen mit Hitzerekorden ab und im Juni legte ein Hagelschlag eine weiße Decke über das Land.

Weiterhin gilt auch heute wie schon seit Anbeginn:

Wie ein Baum bin ich vor dir.
Und all meine Wurzeln senken sich in deine Wasser.


Meines Lebens Nahrung und Frucht:

Wo anders als aus dir?

Wie könnte ich aufrecht und gerade stehen
In den Stürmen des Lebens –
Würdest du mich nicht ausrichten
(immer neu) in deine Höhen,
und aufrichten
im Horizont deiner Weiten?

Wie?

Pirnim Hugger, Psalm 1

Pfarrer Berthold Schirge
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