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Baugeschichte der St. Laurentius Kirche

Die inmitten der Stadt gelegene Rheinsberger Kirche geht in ihrer heutigen Form auf einen turmlosen, rechteckigen Saal wohl der Mitte des 13. Jh.s zurück, den heutigen Altarraum. Allerdings weist das Erscheinungsbild der unverputzten Nordwand des nach geltender Auffassung erst nach dem Stadtbrand von 1566 angebauten Kirchenschiffes auf die Möglichkeit hin, daß die Laurentiuskirche als Ganzes dem 13. Jh. angehören könnte, entstanden in zwei nicht weit auseinander liegenden Bauphasen. Der Bearbeitungsgrad des sichtbaren Hausteinmaterials und seine sorgfältige Aufmauerung ermahnen eindringlich, diese Wahrscheinlichkeit nicht auszuschließen.

Spätere Veränderungen haben wenig von den ursprünglich frühgotischen Stilformen des Gotteshauses übriggelassen. Reste davon begegnen dem Betrachter lediglich in den schmalen Seitenfenstern des geraden Ostschlusses und in der Nordwand des heutigen Chores, wo ein schmuckloses, nicht mehr genutztes Portal, sogar noch einen leisen spätromanischen Nachklang spürbar werden läßt.

Östlich neben diesem Portal ein Anbau mit hoch ansetzendem, steilen Pultdach, die alte Sakristei, entstanden wohl im Zuge der spätgotischen Veränderungen und Erweiterungen. Diese könnten, kurz nachdem die von Bredow mit Rheinsberg belehnt wurden, begonnen haben. Sie finden ihren Nachweis sowohl in dem backsteinernen Giebeldreieck der Ostwand mit seinen schlanken, in gedrückten Spitzbogen endenden Blenden als auch in der reich gestalteten, ebenfalls aus Ziegeln errichteten Südwand der Vorhalle mit Giebelblenden in gleicher Form, die hier ein Lochfenster flankieren und durch doppelt verlaufende Deutsche Bänder oder Sägefriese oben gegen die Giebelspitze und unten gegen die Portalzone abgesetzt werden.

Wie andere ihrer Standesgenossen, die gleich ihnen über den mehrheitlich in bescheidenen Verhältnissen lebenden Ritteradel herausragten, waren auch die Bredows auf Rheinsberg bestrebt, ihre herausgehobene Stellung nach außen hin sichtbar zu machen. Offenbar erschien den Adelsherren, denen zumeist das Patronat über die Kirchen ihrer Herrschaften zukam, nichts geeigneter dazu, als der Neubau oder der vergrößernde Umbau der wichtigsten dieser Kirchen. Verband sich doch neben dem Wunsch der Bauherren, Gott gefällig zu sein und der Darstellung eigener Bedeutung auch der Anspruch, ein Werk der Nächstenliebe zu vollbringen.

In diesem Sinne sind auch die Veränderungen des Kirchenbaues nach dem Stadtbrand von 1566 zu sehen, als durch Achim von Bredow (gest. 1594) bis 1568 nachhaltige Umgestaltungen vorgenommen wurden. Drückt sich die Umgestaltung im Gebäudekörper selbst in den nördlichen und südlichen Seitenfenstern des Chores und im Mittelfenster des geraden Chorschlusses aus und wohl auch in der Verkürzung der Spitzbogenfenster des Kirchenschiffes, wie sie in der unverputzten Nordwand erkennbar wird, ist der Innenraum eine völlige Neugestaltung. Formengut der Hochrenaissance besonders im Bredowepitaph fügt sich in die manieristisch bestimmte Grundhaltung der Raumgestaltung. Wohl 1580 schloß Achim von Bredow seine Bautätigkeit an St. Laurentius mit der Errichtung des risalitartig aus der Westgiebelwand vorspringenden schmucklosen Turmes ab.

Bei dem Brand von 1566 war der Dachbereich der Pfarrkirche in Mitleidenschaft gezogen worden. Es scheint möglich, daß der neue Turm einen früher vorhandenen Dachturm ersetzt. Seine späte Erbauung könnte genau wie der Umstand, daß das Kirchenschiff nicht die Höhe des Chores erreicht, auf finanzielle Schwierigkeiten des Bauherren hindeuten, dessen pekuniäre Möglichkeiten vielleicht schon mit der Ausgestaltung des vergleichsweise aufwendigen Vierstützenraumes an ihre Grenzen stießen.

Der Kirchturm, auf historischen Darstellungen Rheinsbergs noch mit barockem Turmhelm zu sehen, schließt heute kurz über dem First des Kirchendaches mit einem Pyramidendach ab. Dem Kirchengebäude wurde, wohl gegen Ende des vorigen Jh.s, eine Putzfassade vorgeblendet, die nach Massgaben der Denkmalschutzbehörden auch nach der Restaurierung von 1992 erneuert wurde, obwohl sie für eine Feldsteinkirche des 13. Jh.s mehr als fragwürdig erscheint, zumal in ihrer pseudobarocken horizontal gegliederten, auffällig ockergelben Ansicht. Der schlichte Kirchenbau erlangt so eine vergröbernde Vordergründigkeit, wie sie einem Ruhe und Festigkeit ausstrahlenden, dabei im Grunde feinstrukturierten, Granitbau nie zu Eigen war. Das kann empfinden, wer den in seinem ursprünglichen Zustand belassenen Teil der Nordwand auf sich einwirken läßt.

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