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anGedacht im Oktober: Gott neu vertrauen

(aus dem EKD-Magazin zum Reformationsjubiläum 2017)

„Vertrauen“ – so wusste es der Slogan eines renommierten Bankhauses – „ist der Anfang von allem“. Allerdings, Renommee kann leicht verspielt werden und es braucht nicht viel, um ganze Branchen und gar ein ganzes Wirtschaftssystem an den Rand des Abgrunds zu führen. „Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht …“
Vertrauen ist ein hohes Gut. Wo Vertrauen nicht von klein auf geschenkt wurde und wo Vertrauen in die Verlässlichkeit und Fairness von gesellschaftlichen Institutionen und Strukturen grundsätzlich erschüttert wurde, lässt es sich nur mit unendlich viel Mühe und Geduld zurückgewinnen. Zugleich aber – und gottlob – ist Vertrauen auch ein Allerweltsphänomen, ein alltägliches Lebensmittel, das ich ganz selbstverständlich einsetze. Denn ohne Vertrauen käme ich nicht aus dem Bett und über den Zebrastreifen, geschweige denn in ein echtes Gespräch, in dem ich doch immer schon davon ausgehe, dass der andere meint, was er sagt und ernst nimmt, was ich sage, zu schweigen vom gemeinsamen Handeln, das nicht gelingen könnte und auch gar nicht erst zustande käme ohne ein Mindestmaß an Vertrauen. Und – merkwürdig und wunderbar – solches Vertrauen ist auch zur Genüge da – wie das tägliche Brot; wird mir unzählige Male geschenkt und von mir weitergeschenkt. Oft kaum bemerkt, aber immer bemerkenswert und wunderbar.
Glaube ist mehr und anderes als blindes Vertrauen. Er will sehen und lernt neu zu sehen. Der Glaube leiht sich die Blicke Jesu von Nazareth. Er lässt sich die Augen öffnen für die Vögel unter dem Himmel und die Lilien auf dem Felde; und er übt sich, die Welt, die Nächsten und nicht zuletzt sich selbst mit den Augen Gottes anzusehen.
Der Glaube glaubt nicht an sich selbst. Er fängt nicht bei sich selber an und endet darum auch nicht an den eigenen Grenzen. Wer glaubt, sucht und macht Erfahrungen mit einem Vertrauen, das größer ist als er selbst. „Ich glaube; hilf meinem Unglauben“! (Mk 9, 24) so ruft ein Mensch in der Begegnung mit Jesus – und es wird erzählt, das habe geholfen.

Präses Annette Kurschus, Bielefeld

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