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168 Stunden hat die Woche – 1 Stunde hat der Gottesdienst

Kennen Sie den? – Im frommen Schwabenland ist auf dem Lande für Viele der Gottesdienstbesuch ein regelmäßiger Teil an jedem Sonntag. Als die Oma und ihr Enkel sich nach dem Kirchgang wieder einmal über den Gottesdienst und Kindergottesdienst unterhalten, fragt der Enkel: „Und was hat der Paschtor in seiner Predigt g’said?“ (Was hat der Pastor in seiner Predigt gesagt?) – „Ja, i woisch net“, antwortet die Oma zögerlich (Ich weiß es nicht!). Der Enkel scheint mit dieser Antwort zufrieden zu sein, aber am nächsten Sonntag stellt er dieselbe Frage, und wieder antwortet die Oma in gleicher Weise. Auch am dritten Sonntag fragt der Enkel seine Oma wieder so, und als diese erneut mit „I woisch net“ antwortet, wird der Enkel ungeduldig.

„Warum gohscht dann in’d Kirch, wenn’s doch net woischt, wasch d‘r Paschtor predigt?“ (Warum gehst du in die Kirche, wenn du doch nicht weißt, was der Pastor predigt?) – „Ach, woischt“, antwortet die Oma lächelnd, „mit d‘r Predigt isch des wie mit em Drahtkorb. Wenn ma‘ Wasser neigiescht, läuft’s oifach durch, aber ebbes bleibt immer hänge!“ (Mit der Predigt ist es wie mit einem Drahtkorb. Wenn man Wasser hinein gießt, läuft es einfach durch, aber etwas bleibt immer hängen.)

Der Gottesdienst hat starke Konkurrenz. Meistens findet er am Sonntagvormittag statt. Aber zur selben Zeit möchte manch einer gerne im Bett noch etwas länger kuscheln oder – nach einer Feier am Abend vorher – länger ausschlafen oder vielleicht auch nur gemütlich frühstücken; auch der Fernseher lockt mit seinem Vormittagsprogramm, oder es steht eine Verabredung mit Freunden an; auch manche Sportvereine reklamieren den Sonntagvormittag für sich, und für die Erledigung von aufgeschobenen Arbeiten gibt es keine bessere Zeit als gerade den Sonntag; für Tagesausflüge und Besuche setzt sich Mancher schon am Vormittag ins Auto… und Andere haben einfach keine Lust auf Gottesdienst…. oder das Empfinden: „Ach, der Gottesdienst bringt mir nichts…“

Dennoch gilt die Erfahrung von Generationen: der Gottesdienst ist gut für die Seele. Gut für den Glauben. Auch wenn die Gottesdiensterfahrungen und die damit verbundenen Empfindungen nicht immer „messbar“ und konkret beschreibbar sind. Es bleibt für die Seele und für den Glauben „immer etwas hängen“.

Neben denen, die den Gottesdienst für wichtig erachten, gibt es Manche, die sich überwinden und „trotzdem“ in den Gottesdienst gehen, auch wenn sie eigentlich kein inneres Sehnen nach ihm verspüren – und stellen dann hinterher manchmal überrascht fest: „Es war gut! Ich habe das Reden Gottes gehört. Ich habe Antwort auf meine Frage erhalten. Ich habe Gottes Nähe gespürt. Ich bin zur Ruhe gekommen. Ich konnte auftanken. Durch dieses Lied, jenes Gebet… wurde mein Herz berührt.

Es hat mich gefreut, die Glaubens-Geschwister wieder zu sehen. Das gemeinsame Singen, Beten…war eine Stärkung meines Glaubens…“ Solche Erfahrungen sind eigentlich kein Wunder. Sie sind normal. Denn ein Gottesdienst ist ein Dienst Gottes an seinen Menschen, damit es ihnen gut geht. Der Gottesdienst ist ein „opus dei“, ein Werk Gottes. Hier gebraucht Gott Menschen für Menschen. Hier redet und handelt er durch Menschen zu anderen Menschen, so wie es meistens ist, wenn Gott handelt – auch außerhalb des Gottesdienstes. Durch den Gottesdienst aber wird der Sonntag zum Sonntag; dieser ist mehr als ein arbeitsfreier Tag.

Er ist der Tag der Auferstehung Jesu. Er ist der Tag, an dem Menschen sich eine kleine Zeit für Gott nehmen. Nur eine Stunde. Oder vielleicht auch etwas mehr. Er wird so zum Tag des HERRN.


Dieter Begaße, Pastor an der Evangelisch-methodistischen Christuskirche in Neuruppin

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