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Die Orgeln in der Rheinsberger St. Laurentiuskirche

Im Jahr 1994 wurde die jetzige Orgelanlage auf der Westempore durch die Orgelbaufirma Nußbücker aus Plau am See geschaffen. Im linken Gewölbebogen steht als 3. Orgel der Kirche im Verlauf ihrer Geschichte die Scholtzeorgel von 1767 mit einem Manual und Pedal und momentan 13 Registern. Sie ist spielbar, besitzt eine höhere Stimmung, muß jedoch noch umfassend restauriert werden. Auf der rechten Emporenseite steht die zweimanualige Nußbückerorgel von 1994 mit 30 Registem, ein sehr klangschönes und vielseitig verwendbares Instrument.

Der damals sehr berühmte Orgelbaumeister und Wagner-Schüler Gottlieb Scholtze aus Neuruppin erbaute anstelle der verbrauchten Orgel von 7 Registern, welche einmal im vorderen Teil der Kirche auf einer Empore vorhanden war, eine Orgel von 13 Registern. Diese Orgel war seit über 100 Jahren sehr verbraucht, mußte im Laufe der Zeit viele Umbauten über sich ergehen lassen und nahm zuletzt fast die Gesamtempore in Anspruch. Da die wirklich wertvollen Teile der Orgel aber das Scholtzefundament bildeten, wurden alle späteren Zutaten entfernt und die Orgel auf den historischen Registerbestand sowie auf die ursprüngliche Größe reduziert. Damit hat die Orgel wieder ihre homogene, wohlproportionierte Gestalt erlangt, und der historische Bestand ist für eine spätere rekonstruktive Restaurierung abgesichert. Die erhaltenen Register zeigen uns eine unverwechselbare Charakteristik und Klangschönheit dieser Orgel aus friederizianischer Zeit. Da die Scholtzeorgel durch ihre Einmanualigkeit, den geringen Tastenumfang und die höhere Stimmung enge Grenzen in der musikalischen Verwendbarkeit aufweist, wurde sie durch eine neue Orgel der Firma Nußbücker, erbaut 1994, ergänzt.

Das neue Instrument bietet mit seinem reichhaltigen Registerfundus, sowie dem heute üblichen Tonumfang all die Musiziermöglichkeiten, welche bisher bei der historischen Orgel vermißt wurden. Sie besitzt zwei sich klanglich ebenbürtig gegenüberstehende Manuale und ein Pedalwerk, in welchem die Pedalregister durch Transmission mehrfach ausgenutzt werden. Die begrenzten Platzkapazitäten wurden dabei optimal ausgenutzt. Neben der Klangpracht des vollen Werkes besitzt die Nußbückerorgel viele unterschiedliche Farb- und Klangnuancen für ein kammermusikalisches, dem Kirchenraum angepaßtes Musizieren, sowie zur Realisierung der unterschiedlichsten Klangvorstellungen für ein Orgelliteraturspiel verschiedener Epochen.

Aus alten Zeiten ist mehrfach überliefert, daß Orgelbauer hier und dort Orgelregister zusätzlich zum Kontrakt in die Orgel eingebaut hätten. Sie taten dies, um ihre Orgel trotz Finanzschwierigkeiten der Besteller vollkommener zu machen. Ihnen bedeutete das künstlerische Gesamtergebnis oft mehr, als alle, wenn auch sehr notwendigen Einnahmen zum Lebensunterhalt. Aus alten Zeiten wissen wir, daß Orgelbauer selten reich wurden. Diese Besonderheit ist nun auch in Rheinsberg geschehen, denn die Orgelbaufirma hat 3 Register mehr eingebaut als vereinbart waren, so daß die neue Rheinsberger Orgel ein seltenes Beispiel dieser alten Tradition in der heutigen Zeit bietet. Dafür sind wir dankbar. Die äußere Gestaltung der neuen Orgel steht sichtbar in Beziehung zur Scholtzeorgel. Maße und Gestaltung der historischen Orgel dienten als Vorlage für die neue Orgel, wenn diese auch fast dreimal so groß ist. Es wurde nicht nachgebaut, sondern mit neuen Gestaltungsmitteln in Beziehung gesetzt. Das Pedalwerk der neuen Orgel trennt und verbindet beide Orgeln. So ist eine harmonische Gesamtanlage entstanden, welche gleichgewichtig Altes und Neues verbindet.

Soli Deo Gloria!

(Text: Hartmut Grosch)

Disposition Nussbückerorgel

Disposition Scholtzeorgel

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